Weh tun darf es, schmerzen darf es nie
Auszug aus: BORA - hansgrohe Jahrbuch Special Moments

Weh tun darf es, schmerzen darf es nie

Markus Stephani (rechts) mit Maros Hlad.

Markus Stephani (rechts) mit Maros Hlad.

Markus Stephani (33) fungiert im Team seit 2013 (damals NetApp – Endura) als Osteopath und Sportphysiotherapeut. Zum Saisonstart 2018 wird der dreifache Ironman-Finisher bei BORA – hansgrohe ein muskuloskelettales Präventionsprogramm etablieren.

Wie setzt sich das medizinische Team bei einer Grand Tour zusammen?

Das medizinische Team setzt sich aus einem Arzt, einem Osteopathen oder manuell-therapeutisch erfahrenen Physiotherapeuten sowie weiteren drei oder vier Physiotherapeuten oder Masseuren zusammen. In der Regel ist das Team bei einer Grand Tour sehr gut eingespielt, sodass die Arbeitsabläufe bereits im Vorfeld klar sind und jeder genau weiß, was wann zu tun ist. Ich als Osteopath habe in der Regel weniger feste Fahrer, die zur Massage kommen, sondern behandele die Fahrer, die Probleme haben, zum Beispiel nach einem Sturz oder aufgrund einer Dysbalance oder Überlastung.

Wir arbeiten „athlete-centered“

Manuelle Therapie ist eine Säule deiner Tätigkeit. Wie sieht es mit Muskelaufbau und Dehneinheiten aus?

Insbesondere innerhalb der Präventionsarbeit spielen Athletiktraining und Dehnung eine entscheidende Rolle. Dabei geht es weniger um den kurzfristigen Effekt einer Leistungssteigerung durch mehr Kraft, vielmehr sind wir überzeugt, durch eine gute athletische und motorische Fitness der Sportler geringere Ausfallzeiten und Verletzungszahlen erreichen zu können. Darüber hinaus haben die Sportler und das darf man nicht vernachlässigen – nach ihrer Zeit als Radprofi noch einige Jahrzehnte vor sich, in denen sie auf eine gute muskuloskelettale Ausstattung angewiesen sind. Im besten Fall werden sie noch lange von der gemeinsamen Arbeit profitieren.

Welche Rolle spielt das mentale Training?

Eine wichtige – und es wird in der Zukunft eine noch größere Bedeutung einnehmen. Der Radsport ist allerdings aufgrund der verschiedenen Herkunft und Muttersprache der Fahrer, der vielen Aufenthaltsorte und des mehrgleisigen Rennprogramms nicht so leicht zu bedienen wie es eine Fußballmannschaft ist. Wir arbeiten „athlete-centered“: Der Athlet steht im Zentrum eines Kreises von Vertrauenspersonen wie Coach, Arzt, Sportlichem Leiter und Therapeuten und bespricht mit ihnen auch diese Themen regelmäßig.

Vor der Tour 2016 berichtete der Münchner Merkur über dich und titelte „Der Muskelflüsterer“, Wie oft bist du auch Seelentröster?

Klar, der Beruf als Radprofi ist nicht leicht. Und die Zeit auf der Behandlungsbank ist auch immer eine Auszeit für die Fahrer. Man kann über Privates und manchmal auch Belastendes reden. Ich verbringe viel und intensive Zeit mit den Athleten. Da entwickelt sich eine Beziehung.

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